1970 geboren in Hamburg

1997 Studium der Bildhauerei bei Prof. Nikolaus Gerhart

an der Akademie der Bildenden Künste, München

2001 künstlerischer Mitarbeiter am Lehrstuhl für Papier

und recycelte Materialien, Akademie München

2002 Meisterschüler





Die Ausdehnung von Masse in den Raum bildet die Grundlage der klassischen Bildhauerei. Der amerikanische Bildhauer John Chamberlain erlangte in den 60er Jahren des 20.Jahrhunderts mit seinen gepressten Autos deshalb Weltgeltung, weil er seine Kompressionskompositionen den "klassischen" bildhauerischen Ausdehnungen radikal entgegensetzte.

Im Werk von Ole Müller werden beide Grundprinzipien plastischen Gestaltens, dass der Ausdehnung und dass des Komprimierens virtuos miteinander verbunden.

Hierbei entstehen Werke von bisher nicht gekannter Visualität, die in ihrer transformativen Intention allen bedeutenden Kunstwerken ähnelt, nämlich in der konstruktiven Anfechtung des Bestehenden.

Ausgangsmaterial seiner plastischen Arbeiten sind Zeitschriften und Zeitungen die ihm als Zeugen unserer Zeit und als inkarnierte Informationsflut dienen.

Ole Müller hat in den letzten Jahren mit vielen Skulpturen sein freigeistiges Innovationspotential eindrucksvoll belegt. Er entwickelte neue Werkzeuge, Verarbeitungs-, Press- und Trockentechniken, die es ihm ermöglichen, die vorgefundenen Materialien zu gänzlich neuen Anschauungen zu führen. So dienen ihm recycelte Zeitungen als "weiche Negative" , in die -mit 40 Tonnen Druck- geschnittene Hochglanzmagazine gepresst werden; dort bis zu vier Monate trocknen, um schließlich mit Kettensäge, Raspel oder Schleifmaschinen u.ä. bearbeitet, subtil wieder freigelegt, sozusagen rückgebaut zu werden. Auf diese Weise entstehen autonome Skulpturen, für die er feinsinnig die Kraft des Faktischen nutzt. Verwerfungen und Risse, die z.B. durch Trockenprozesse entstehen, sind integraler Bestandteil seiner Kompositionen.

Informationsstadien, Informationsverfall und also neue Informationen erfahren eine faszinierende bildnerische Systematik, die, gewürzt mit seinem Talent für dosiertes Eingreifen oder Innehalten, eine wichtige Position und Haltung in der Kunst des 21. Jahrhunderts darstellt.

Ole Müller gelingt es die Gegenwart so zu komprimieren, dass deren Essenz nach Zukunft schmeckt.      

 

Prof. Andreas v. Weizsäcker